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Therapieformen: Zwangsgedanken wie erkennen

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Donnerstag, 12. Januar 2017, 15:22

Zwangsgedanken wie erkennen

Wie kann ich den Wahrheitsgehalt eines Gedankens überprüfen? Wahrscheinlich kam das mit der Erziehung, dass Sexuelles oder Liebestechnisches bei mir verpönt wurde, sodass ich nie damit in Verbindung kommen wollte. (So in etwa hab ich mich damals als Kind gefühlt) War daher übermäßig gewissenhaaft mit dem Gegengeschlecht umgegangen. Ja nichts falsches fühlen. Wenn ich mich z.B. nett mit jemandem unterhalten hatte, weil ich die Person auf menschlicher Basis sympathisch fand, habe ich mich stets zur Rechenschaft gezogen, ob ich vielleicht Gefühle für die Person hätte. Die Angst brachte körperliche Reaktionen mit sich und ich deutete sie damals als "Verliebtheitsgefühle" oder fraagte mich, weshalb ich überhaupt Angst habe? Sie müsste ja berechtigt sein, sonst wäre sie nicht da. Also kam dann der Gedanken auf, ich würde Gefühle für die Person hegen.

Das ist so mein Problem vor langer, langer Zeit gewesen. Irgendwann dachte ich, verdammt, du willst von diesen Personen nichts also ist da auch nichts. Und ich merkte, dass ich ein Problem mit dem Gegengeschlecht habe und nicht wusste, was Verliebtsein ist und was das definiert. Und dass mir das nicht bei einer Person, sondern mehreren Personen passierte. Ab dann wurde mir klar, es ist, warum auch immer, ein Problemfeld von mir. Wie gesagt, kam ich dieses Jahr darauf, dass ich unter Zwangsstörung leide und plötzlich ging über alle Lebensphasen ein Licht auf. (Z.B. weiß ich jetzt, warum ich ständig dem Teppichmuster nachgehen musste und dachte, sonst passiere meiner Familie etwas Schlimmes, Zwang halt.)

So jetzt kann ich wohl meinen Zwangsgedanken formulieren in:"Oh Gott, ich bin verliebt." oder "Schei*e, da ist ein Gefühl".

Ich hatte mich auch mal gefragt, ob ich homosexuell wäre, weil ich eben ein Problem mit dem Gegengeschlecht zu haben scheine und mich auf eine Nachricht von einer Freundin so freute, dass ich Herzklopfen hatte. Da mir dieser Gedanke weniger Angst machte, weil sie offensichtlich weniger wahrscheinlich wahr, dass ich mich in Frauen verliebe, verschwand er auch wieder. Allerdings taten diese Gedanken es bei Jungs weniger. Sie verschwanden nicht, sie wurden sesshafter.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich nicht wusste, wie ich Gefühle überhaupt einordne (Zwangsstörung ist ja zur gleicher Zeit eine Gefühlsstörung). Fand ich bsp. Frauen interessant, konnte ich sie als Freundinnen abtun oder als nette Menschen einfach. Aber war dies bei Jungs der Fall, überkam mich die Angst, dass das was m it dem Verliebtsein zu tun hatte.

Normalerweise wiederspiegeln Zwangsgedanken ja exakt das Gegenteil von ihren Inhalt in Personen wider. Also hat jemand Angst, homosexuell zu sein, ist er das eben keineswegs. Hat ein Mann Angst vor dem Pädophil sein, dann testet er sich nicht. Ein Pädophile weiß, dass er pädophil ist! Wenn ein Mädchen weint, weil es denkt, es liebe seinen Partner nicht, dann ist das nichts anderes als der Zwang! NAtürlich tut es das, sonst würde es nicht weinen und der Gedanken ihn so quälen.

Aber bei meinem Fall kann ich das nicht so deutlich sehen, das ist mein Problem. Die Liebe ist ein Grundbedürfnis. Das heißt, entweder, die Gedanken und Gefühle waren der Zwang, oder aber mein Zwang war der Gedanke oder die Angst ... versteht ihr mich ungefähr? Es ist so ähnlich wie ... eine sehr religiös erzogene Person ... die sich super gut mit ihrer Religion identifiziert. Alles, was gegen sie stoßt, widerspricht ihrem Selbstbild. So, und wenn so eine Person unter homosexuellen Zwangsgedanken leidet, wie soll sie da bloß rauskommen. Ich meine jetzt keine Angst wie sich zu Outen oder vor Ablehnung der Gesellschaft etc sondern die Person kann es eiiinnfach nicht mit sich selbst vereinbaren. So, das ist normalerweise Zwang. Meinst du, ein religiöser Mensch könnte so einen homosexuellen Zwangsgedanken haben und der Inhalt dieses Zwangsgedankens könnte trotzdem der Wahrheit entsprechen?

Das nur so als ein Beispiel bezüglich meiner Zwangsproblematik. Es ist dasselbe Muster ... Der Inhalt ist, wie typisch es beim Zwang ist, total unsinnig und als Außenstehnde kann man nicht verstehen, weshalb das einem Angst machen soll. Tja, das tut es aber. Wenn mir der Gedanke ziemlich egal wäre, hätte ich auch null Probleme. Er stört mich eben gewaltig. Noch ein Symptom für Zwangsgedanke. Aber vielleicht ist meiner wahr, oder eben nicht?

Sorry für den langen Text, aber auf Meinungen wäre ich sehr dankbar.

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Montag, 16. Januar 2017, 15:15

Hat keiner eine Meinung dazu? :(

Till.

Anfänger

  • »Till.« ist männlich

Beiträge: 6

Zwangssymptome: Sexuelle Zwangsgedanken

Medikament / Dosis: --

Aktueller Therapie-Status: Keine Ahnung

Status: Betroffene/r

Wohnort: baden würtemberg

Beruf: schule

Hobbys: in After Effects rum probieren, Videos erstellen.. in Photoshop hantieren

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3

Mittwoch, 18. Januar 2017, 06:29

Zwänge bestehen aus zweifeln

So wie ich das mit bekommen habe kann ein zwang (wenn er denn schon sehr ausgeprägt ist)
Dir alle möglichen Gefühle vorgaukeln.
Genau das lässt uns zweifeln, und wir denken durch dieses Zweifel wir sein Homosexuell, lesbisch.. ein Beispiel du hast Homosexuelle Zwangsgedanken (bist aber hetero) und läufst eine Straße entlang, neben dir geht ein Mann vorbei. jetzt testest du dich wieder und denkst du wärst verliebt. aber nur weil sich das echt anfühlt ist das nur Illusion der Angst, denn genau jetzt zweifelst du an dir selbstund steigerst dich in test's rein, und das obwohl du eigentlich nichts für diesen Mann empfunden hast.

Tests bei ZG sind nicht aussagekräftig, sondern genau das Gegenteil.

Ich habe auch ZG Pädophil zu sein.. und was mich zweifeln lässt ist schätze ich (ich Zweifel ja) genau diese seltsame gefühlsmischung.

Was ich hier geschrieben habe ist nur,
Wie ich Zwangsgedanken bei mir selbst verstanden habe.. ab und zu gibt es ja diese Phasen in denen man total Happy ist .. weil man sich eine kurze Zeit von den Gedanken lösen kann. In diesen Momenten sieht man die Welt etwas aus anderen Augen, die Aussage kräftiger sind als jeder zwang.


Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen.
Egal wie schlimm deine Zweifel sind, teil sie ruhig mit
Denn ohne Zweifel kein Zwang.
LG Til.

karinreicher

Anfänger

  • »karinreicher« ist weiblich

Beiträge: 16

Zwangssymptome: Putzzwang, Waschzwang, Zwangsgedanken, Dermotillomanie

Medikament / Dosis: Mutan 60mg, Mirtazapin Actavis 15mg, Seroquel 25mg

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Österreich

Beruf: Schüler

Hobbys: Musizieren, Komponieren, Bücher lesen

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4

Dienstag, 14. Februar 2017, 15:03

Erziehung

Liebe Eyler! :)

Wie schon gesagt wurde. Ein Zwangsverhalten besteht aus meistens mehreren Zweifeln wobei eines überwiegt.
Bei dir wurde sehr klar formuliert, dass es sich um einen Zweifel verbindlich mit deinen Gefühlen handelt.
Eine Erziehung kann viel aus einem Menschen machen. Wurdest du anders erzogen, hat sich das in deinem
Gehirn festgesessen und du kannst fast nichts mehr dagegen unternehmen.


Ich bin mir sicher dass sich noch einiges herausstellen wird. Jedoch würde ich dir empfehlen, mit einem Psychologen
darüber zu sprechen. Aber nicht mit Irgendeinem, du sollst das Gefühl haben er/sie versteht dich. Und tut nicht nur so
um sein/ihr Geld zu kassieren. Du wirst es sofort merken, auch vom medikamentösen Hintergrund.
Die Zeit wird alles klarer werden lassen. Und wenn du ihr nicht vertrauen solltest, hast du bestimmt eine wichtige
Bezugsperson in deinem Leben der du alles anvertrauen kannst.


Ich wünsche dir weiterhin alles Gute!
Du packst das locker, nur nicht aufgeben.
When nothing goes right, go left.

GLG Karin Reicher ^^

Manuela72

Anfänger

  • »Manuela72« ist weiblich

Beiträge: 12

Zwangssymptome: ROCD, sexuelle Zwangsgedanken, immer wieder verschiedene Wörter im Kopf, Angst Lesbisch zu sein

Medikament / Dosis: Paroxetin 15mg , Opipramol 150 mg, Tavor 1mg

Aktueller Therapie-Status: Warte auf Zusage für Therapieplatz

Status: Betroffene/r

Wohnort: Dillingen Saar

Beruf: Demenzbetreuerin

Hobbys: Backen, Puzzeln, Tanzen, Lesen, Sport und mit dem Hund Gassi gehen

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5

Freitag, 24. Februar 2017, 10:20

Hallo Eyler,
ich leide auch unter diesen ständigen, mich quälenden Zwangsgedanken.
Zum einen habe ich Angst ich könnte Lesbisch sein und zum anderen habe ich diese
Zweifel, ob ich meinen Partner noch liebe, mit den daraus resultierenden Gedanken
gegen Ihn wie zb. " Du widerst mich an, nicht anfassen, Idiot, wärst du nur weg usw."

Obwohl ich weiss, das ich meinen Mann sehr liebe, habe ich trotzdem diese Zweifel.
Und obwohl ich weiss,dass ich hetero bin kommen immer wieder diese Zweifel, ich
könnte trotzdem lesbisch sein. Ich prüfe aich immer, ob ich was empfinden könnte für
diese männlich wirkenden Frauen. Aber letzten Endes sind das alles nur Gedanken !
Ich wünsche Dir viel Kraft, für die Bewältugung deiner Zwangsgedanken und hoffe,
das alles wieder gut wird.

PS: Such Dir einen guten Psychologen, dem Du zu 100 % vertrauen kannst.
Das schaffst Du .
Alles Gute und ganz liebe Grüße
Manuela

6

Dienstag, 15. August 2017, 11:03

@Till

Hey Till,

vielen lieben Dank für deinen Beitrag. Es ist super lange her, dass ich ihn gelesen habe. Aber ich war nicht in der Lage zu antworten. Heute möchte ich das tun und mich für deine Antwort bedanken. Und ja, es ist genau das. Dieses Gefühl. Wären es ja bloß Gedanken, könnte man sie auch wieder vergessen. Was einem zum Zweifeln bringt, sind die Gefühle ... daher verstehe ich dich auch total. Aber ein Außenstehender kann meistens die Sache besser beurteilen und so viel ich von dir auch in einigen anderen Threads gelesen habe, bist du ganz bestimmt nicht pädophil.

Danke und liebe Grüße

7

Dienstag, 15. August 2017, 11:17

@karinreicher
@Manuela

Vielen lieben Dank für eure Antworten. Ich bin jetzt seit Februar in Therapie und erst langsam schaffe ich es, darüber zu reden. Ich hoffe, dass das ein gutes Zeichen ist. Ich wünsche euch ebenso ganz viel Glück!

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