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Donnerstag, 2. Februar 2017, 14:27

Zwänge endlich loswerden? Bewährte Therapie gesucht!

Hallo zusammen,



da ich neu bin, erstmal das Wesentliche: ich bin männlich, 19 Jahre alt
und wohne zusammen mit meinen Eltern und meinem Bruder in einer ruhigen
Wohngegend, kein Stress und ein ganz normales Familienleben.



So, nun mein Problem.

Ich habe seit ich 5 Jahre alt bin in unregelmäßigen Abständen Zwänge,
das erste Mal war musste ich meiner Mutter immerzu einen Satz sagen, der
mich in Verlegenheit gebracht hat (ich habe sie als eine
Krankenschwester bezeichnet...^^), das nächste mal an das ich mich
erinnern kann war mit 12, ich rief nach der Schule - und es graute mir
den ganzen Tag vor dem Nachhausekommen - den Notruf über unser
Haustelefon an, bis die netten Herren eines Tages zurück riefen und ich
mit meinem Vater dort hingefahren bin um mich zu verantworten (von
meinen Eltern aus). Von dem Tag an war es weg! Dann etwas später musste
ich meinem jüngeren Bruder immerzu wehtun (Haare ziehen und solch
relativ verträgliche Sachen, bitte nicht predigen), was mir sehr Leid
tat, auch das ging weg. Dann spätestens mit 16 ging es richtig los: ich
hatte ein verstörendes Video im Web gesehen, voraufhin ich einen Monat
lang unter einer posttraumatischen Belastungsstörung litt, welche ich
als sehr bedrohlich und unbehaglich empfand, ich fühle mich hilflos und
unsicher und hatte starke Zwangsgedanken, in welchen ich meine Familie
ermordete, woraufhin ich mich von meiner Seite her an einen Therapeuten
wandte. Zu Beginn dieser posttr. Belastungsstörung hatte ich von einer
Neurologin Venlafaxin verschrieben bekommen, aber dazu später mehr. Als
nächtes kam eine Zwangsphase, welche ziemlich ununterbrochen bis heute
andauert. Es sind x verschiedene Zwänge, die ich immerzu wiederholen
muss, von Teller, Gläser und ähnlich zerbrechbares hochwerfen und wieder
auffangen, bis hin zu dem Anrufen von Nummern und (fast) Beleidigungen
auf Facebook und WhatsApp.

Was mir auffällt und allem ein gewisses Schema gibt ist, dass ich fast
ausschließlich Zwänge habe, bei denen ich eine Situation hervorbringe,
die mich in Verlegenheit oder Ärger bringt oder bei denen ich im
Nachhinein für bezahlen muss (Handy hochwerfen, Augen zu und ein Ritual
wiederholen, Augen auf und Handy auffangen -> Handy fällt runter -
neues Display), das hat mich mittlerweile schon hunderte Euro gekostet,
mal abgesehen davon, dass es sich auch auf das Beschädigen des neuen
Küchenmobilars bezogen hat, was letztendlich immer zu Ärger geführt hat.

Jedenfalls sind es vom (fast) Klicken der PC Maus auf den
Herunterfahren-Button bis zum (fast) Tippen auf den Senden Button bei
WhatsApp oder Facebook (Beleidigung oder peinliche Nachricht) ist es
immerzu das "fast", ob es nun damals der Notruf war am Telefon oder
heute das oben Beschriebene, auch bei dem Biegen meiner teuren
Angelruten bis kurz vor dem Bruch, es sind zig Beispiele vorhanden.
Immer ein Fingerzittern, selten auch, wenn es besonders stark ist ein
direkter Zwang mit direkter Handlung (Zigarette durchbrechen und neue
nehmen), also ohne das "fast". Ich habe das bisweilen als
autoaggressives Verhalten gedeutet, dennoch sehe ich als rational
denkendert Mensch keinen Grund dafür. Damals hatte ich soziale
Problemchen im Bereich Akzeptanz, heute ist mir das egal und ich habe
ein ganz normalen Freundeskreis.

Die Familie ist auch soweit normal, mein Vater ist jedoch teilweise sehr
gestresst von der Arbeit und es kommt häufig zu Streit, was aber nur
kurze Wortgeplänkel mit nachfolgendem Meiden des Anderen für einige
Stunden sind, nichts was mich beschäftigt.



Ich habe bei sehr akuten Zwängen teilweise gesagt "Schluss jetzt, das
geht zu weit" und mich dagegen gestellt, manchmal hat es funktioniert,
manchmal nicht. Wenn ich einen Ausrutscher hatte war das ganze
Selbstvertrauen dahin...

Besonders fällt mir aber auf, dass ich mir selbst durch die Angst vor
der Angst wieder neue Zwänge schaffe. Damals habe ich angefangen als
Lösung eine Grenze zu setzen, um den Zwang am Montag vollkommen
durchzuführen, damit ich mir sagen konnte, dass ich es für diese Woche
geschafft habe. Nun ist daraus aber ein neuer Zwang entstanden, der
sozusagen jeden Zwang einbindet. Zum Monat, sprich Wochenanfang, zum 1.
des Monats und am schlimmsten (!!!) zum 1.1. muss ich "vorsorgen",
Zwänge die aktuell sind stark ausführen, um dann sagen zu können "für
dieses Jahr ist Schluss". Ist natürlich nie so, nicht mal eine Woche
habe ich es bisweilen durchgehalten.



Ich könnte ein Buch über die Symptomatik schreiben, aber um es zusammen
zu fassen: ein Zwang kommt - ich führe ihn aus, da der Druck sehr groß
ist, dann irgendwann ist es nur noch ein "fast", also ein Fingerzittern an dem Handy usw., sodass es natürlich oft "geschieht". Meistens ist es von Anfang
an ein "fast" (Beleidigungen z.B.). Warum ich seit ich 16 bin
durchgängig geplagt bin weiß ich nicht, aber es ist so. Desweiteren sind
es immer Zwänge (!!!!!), die, komplex oder nicht, mich in eine
ungewollte Situation bringen, ob mir die Handlung im Nachhinein leid tut
(Bruder damals) und ich mich schäbig fühle oder ob es das Bezahlen
eines neuen Handys ist, immer hat es mindestens einen autoaggressiven
"Touch". Venlafaxin nehme ich seit ich 16 bin in der Stärke 150mg, es
scheint nicht zu wirken, dennoch möchte ich nicht darauf angewiesen
sein. Die erste Therapeutin war nur auf das Geld aus und die Therapie
hat nichts gebracht.

Ich würde es gerne mit Hypnose versuchen oder Homöophatie, bin für alles offen, dennoch fehlt mir hierbei auch das Vertrauen.



Falls ihr Tips habt oder Methoden, dem Spuk ein Ende zu bereiten...dann seid so nett und sagt es mir

Wäre für jede Hilfe dankbar!

Nachtrag: Ich hatte heute Nacht einen beunruhigenden Traum: mein Vater und ich gerieten in einen so starken Streit, dass es mit Trennschleifern zur Sache ging! Um es kurz zu fassen: brutal, aber dennoch war mein Vater. wieso auch immer, später wieder am leben und wir vertrugen uns. Reue, aber gleichzeitig eine gewisse Notwendigkeit bzw. Unabänderbarkeit habe ich diesbezüglich im Traum empfunden. Ich habe gelesen, dass Träume unteranderem dazu da sind, erlebte Situationen neu zu betrachten, zu verarbeiten. Das wollte ich noch beifügen, vielleicht ist diese Vater-Sohn Sache doch nicht so unabwägig wie ich Anfangs dachte.



Liebe Grüße

Tom

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »jintom« (2. Februar 2017, 14:35)


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Donnerstag, 2. Februar 2017, 23:48

Hat niemand einen Rat?

karinreicher

Anfänger

  • »karinreicher« ist weiblich

Beiträge: 16

Zwangssymptome: Putzzwang, Waschzwang, Zwangsgedanken, Dermotillomanie

Medikament / Dosis: Mutan 60mg, Mirtazapin Actavis 15mg, Seroquel 25mg

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Österreich

Beruf: Schüler

Hobbys: Musizieren, Komponieren, Bücher lesen

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3

Dienstag, 14. Februar 2017, 14:41

Vater-Sohn Beziehung

Lieber Tom! :)

Ich denke, es ist wichtig dass du das Thema mit deinem Vater ernst nimmst.
Träume kommen nicht einfach so und gehen wieder, ohne einen Sinn zu hinterlassen.
Dein Vater ist wohlmöglich unzufrieden mit jemanden, etwas oder sogar sich selbst.
Ich habe verschiedene Theorien, die ich dir gerne nennen würde:


  • Dein Vater fühlt sich schlecht, ist wütend weil er seinem Kind nicht helfen kann.
    Er ist sozusagen der ganzen Situation ausgesetzt und muss akzeptieren, dass
    er einfach nichts für dich tun kann.

  • Dein Vater ist überfordert mit der Situation. Er kann mit einem Zwangsverhalten
    wenig anfangen. Jedoch möchte er sich gerne einbinden, dir Ratschläge geben
    aber vielleicht hat er das Gefühl ausgegrenzt zu werden. Möglicherweise hast
    du mit deiner Mutter ein besseres Verhältnis.

  • Dein Vater ist selbst nicht wirklich gesund. Vielleicht war seine Kindheit nicht
    leicht und er kann bis heute weder darüber reden noch sich daran erinnern.
    Es wäre möglich dass er nicht gut mit Belastungen umgehen kann.

  • Blicke weiter zurück, auf deine Großeltern. Ich habe mein Zwangsverhalten
    von meinem Opa geerbt. Die Gene können einen ziemlich verwirren. Und
    sie müssen nicht von deinen Eltern abstammen.

Was natürlich auch nicht schlecht wäre, ist eine Beratung für das Zusammenleben der Familie.
Ich finde du solltest medikamentös anders eingestellt werden. Schlage das deinem Psychologen vor.
Ich bin mir sicher es wird eine große Veränderung in deiner Familie und vor allem mit deinem Vater geben.
Ich hoffe ich konnte dir helfen! Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft! :love:


GLG Karin Reicher